Die Geschichte
1716-1999 2000-2005 2006-2009 2010
1716: Nach der Chronik siedeln nach dem 30-jährigen Krieg
die ersten Juden in Emmendingen. Fünf vertriebene Familien aus dem
schweizerischen Thurgau erhalten einen Schutzbrief.
1727: Der jüdische Händler Moses Gydon kauft ein Haus in
der Kirchstr. 11, in dem ein Betsaal eingerichtet wird.
1763: Das Haus in der Kirchstr. 11 wird Synagoge.
1823: Für die wachsende jüdische Gemeinde wird das Haus
bald zu klein. Nach Verhandlungen mit der Stadtgemeinde Emmendingen
und dem Oberrat der Israeliten Badens wird eine neue Synagoge direkt
vor dem Haus Kirchstr. 11 gebaut. Die Alte Synagoge dient nun als
Gemeindehaus mit Kantorenwohnung, Gemeindesaal und Unterrichtsräumen.
1835: In einem Nebengebäude wird die Miqwe - ein Ritualbad
- gebaut.
1880: In Emmendingen leben über 400 Juden, das macht 12,9
Prozent der Gesamtbevölkerung aus.
1923: Die Synagoge wird umgebaut und vergrößert.
1933: Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme flüchten
auch Emmendinger Juden - trotz des bis dahin so positiven Zusammenlebens
mit den christlichen Nachbarn ins Ausland, da sich die Verhältnisse
zunehmend verschlechtern und sie um ihre persönliche Sicherheit
und ihre wirtschaftliche Existenz fürchten müssen.
1938: Am 10. November wird in Emmendingen die Synagoge am
Schlossplatz verwüstet und anschließend gesprengt. Die "Alte
Synagoge" in der Kirchstr. 11 aber als Gebäude erhalten.
1939: Die Sprengung wird der Jüdischen Gemeinde mit RM 4.179,45
in Rechnung gestellt. Da die Jüdische Gemeinde diesen Betrag nicht
bezahlen kann, schreibt der Synagogenrat am 7.7.1939 an den Bürgermeister
der Stadt Emmendingen: "...sind wir augenblicklich nicht in
der Lage, den angeforderten Betrag zu zahlen, wären aber bereit,
den Platz, auf dem die Synagoge stand, als Gegenleistung der Stadt
Emmendingen zu überlassen". Die Stadt nimmt dieses Angebot
an, das Gemeindehaus Kirchstr. 11 wird ebenfalls enteignet.
1940: Im Oktober werden diejenigen Emmendinger Juden, denen
eine Flucht nicht gelungen war, in das südfranzösische KZ Gurs deportiert,
von dort ein Jahr später nach Auschwitz. Nur ein Mitglied der Jüdischen
Gemeinde überlebt Auschwitz und kehrt nach Emmendingen zurück, wo
er an den Folgen der KZ-Haft als junger Mann stirbt.
1941: Die "Alte Synagoge" in der Kirchstr. 11
wird von der Stadt Emmendingen in ein Mehrfamilienhaus umgebaut.
1945: In Freiburg/Br. wird die Israelitische Landesgemeinde
Südbaden gegründet, die gleichzeitig als Sitz des Oberrats der Israeliten
Südbadens (französische Besatzungszone) arbeitet. Das enteignete
Haus Kirchstr. 11 wird der Israelitischen Landesgemeinde Südbaden
durch die französische Besatzungsmacht zurückgegeben.
1954: Die Israelitische Landesgemeinde Südbaden verkauft
das Haus wiederum der Stadt Emmendingen zum Preis von 14.000,- ,
da nicht damit gerechnet werden kann, dass jemals wieder Juden in
Emmendingen ansässig sein werden.
1995: Der Zuzug jüdischer Emigranten aus den Ländern der
ehemaligen Sowjetunion auch nach Emmendingen und Umgebung macht
es im Februar notwendig, eine neue Jüdische Gemeinde Emmendingen
zu gründen. Die
Jüdische Gemeinde betreute zu dieser Zeit 74 Personen. Da eine neue
Synagoge oder ein Betsaal nicht vorhanden waren, mietete die Jüdische
Gemeinde monatlich einmal einen Saal von der Stadt Emmendingen,
in dem ein Shabbat-Gottesdienst gefeiert wird.
1997: Nach positiven Verhandlungen mit der Stadtverwaltung
Emmendingen hat der Gemeinderat im Frühjahr beschlossen, der Jüdischen
Gemeinde Emmendingen das Haus der "Alten Synagoge" zu
überlassen, vorausgesetzt, die Finanzierung des Umbaus in ein Gemeindezentrum
ist gewährleistet. Die berechneten Umbau und Einrichtungskosten
beziffern sich auf ca. Euro 500.000,-.
1998: zieht das Gemeindebüro für kurze Zeit in das Obergeschoss
des Jüdischen Museums Emmendingen (ehemaliges Mikwengebäude) um.
1999: Im Februar wurde das Gebäude Kirchstr. 11 der Jüdischen
Gemeinde
durch
eine Festakt von Oberbürgermeister Ulrich Niemann zurückerstattet.
Seitdem befinden sich in den Räumen die Büros der Jüdischen Gemeinde.
Gleichzeitig konnte in der Landvogtei 11 Räume für eine Synagoge
mit Gemeindesaal und koscheren Küchen als Übergangslösung - bis
zum Umbau der Synagoge - gemietet werden.
Die Integrationsbemühungen der Jüdischen Gemeinde Emmendingen wurden
mit der Überreichung des Karl - Kübel - Preis für "Familieninitiativen
in religiösen Gemeinden" im September in der Frankfurter Paulskirche
gewürdigt.
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