Rede von Ute Teschemacher, 16. Mai 2010 - Geschichte der Emmendinger Jüdischen Gemeinde

Gemeindegründung             Gemeindestruktur

Gemeindegründung

Am 12. Februar 1995 wurde im Beisein des Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Ignaz Bubis s.A., des baden-württembergischen Innenministers Frieder Birzele, des Landesrabbiners von Baden, Rabbiner Benjamin D. Soussan, zahlreicher Oberbürgermeister und Bürgermeister der Städte der Landkreise, die Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinden von Freiburg, Heidelberg und Mannheim sowie zahlreicher Vertreter der christlichen Kirchen und der moslemischen Vereinigung und weiterer geladener Gäste die Jüdische Gemeinde gegründet.

Gründungsfeier der Jüdischen Gemeinde Emmendingen im Beisein von Ignatz Bubis, Präsident des Zentralrates, Walter Birzele, Innenminister Baden-Württemberg, Benjamin D.Sousson, Landesrabbiner von Baden, Ulrich Niemann, Oberbürgermeister von Emmendingen.

Die Jüdische Gemeinde Emmendingen zählte zu diesem Zeitpunkt 74 Mitglieder. Am Morgen des 12. Februar 1995 wurden in geheimer Wahl die Vorstandsmitglieder gewählt.

Gemeindestruktur

Zur Zeit sind ca. 350 Menschen Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Emmendingen. Der größte Teil sind Zuwanderer aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion - sogenannte Kontingentflüchtlinge. Neben den jüdischen Mitgliedern betreuen wir selbstverständlich auch diejenigen Personen, die als nichtjüdische Ehepartner und Kinder zum Kreis der Kontingentflüchtlinge gehören.

Weitere Mitglieder kommen aus Deutschland, Israel, Südafrika, Argentinien, Frankreich, Großbritannien, Litauen, Estland, Lettland, Georgien, Moldawien, Aserbeidschan, Kasachstan und Usbekistan und Weißrussland.

Die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Emmendingen leben in den Landkreisen Emmendingen und Ortenaukreis und zwar in folgenden Städten: Emmendingen, Teningen, Waldkirch, Kenzingen, Denzlingen, Offenburg, Lahr, Ettenheim, Kehl, Appenweier, Oberkirch und Achern.

Durch ehrenamtliche und auch hauptamtliche Mitarbeiter im Sozialbereich ist die soziale Betreuung sowohl der Wohnheimbewohner als auch der anderen Mitglieder gesichert. Ein "Arzt - Begleitdienst" für die älteren Mitglieder, die kaum deutsch sprechen können, begleitet die Kranken zum Arzt und/oder ins Krankenhaus um so notwendige Dolmetscheraufgaben zu übernehmen. Deutsch - Kurse für die Senioren wurden eingerichtet, ebenso ein besonderer Deutschkurs für ältere Gymnasial - Schüler. Auf Grund unseres Einsatzes wird am hiesigen Gymnasium russisch als Fremdsprache unterrichtet, ebenso wird eine Russisch - AG angeboten für diejenigen Schüler und Schulerinnen, die zwar noch Russisch sprechen können, aber russisch lesen und schreiben schon verlernt haben.

In den vergangenen Jahren wurde eine umfangreiche, über 5000 Bände umfassende Bibliothek eingerichtet. Judaika, religiöse Werke, aber auch Belletristik und klassische Literatur in deutsch, russisch und hebräisch können von den Mitgliedern kostenlos ausgeliehen werden. Die Bibliothek wurde im Obergeschoß des Gemeindehauses eingerichtet.

Der Religionsunterricht findet in 5 Gruppen statt: die Religionslehrerin Tamara Guggenheim unterrichtet die Grundschüler in 2 Gruppen und die Schüler der weiterführenden Schulen in 3 Gruppen.

Regelmäßige Gottesdienste finden in der Synagoge statt.

Die Integrationsbemühungen der Jüdischen Gemeinde Emmendingen wurden 1999 mit Überreichung des Karl - Kübel - Preises für "Familieninitiativen in religiösen Gemeinden" gewürdigt.

In Mai 2000 erhielt die Jüdische Gemeinde Emmendingen durch das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport die Rechte einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verliehen.

Der Ausbau des Dachgeschosses in einen repräsentativen Saal und die Renovierung der Außenfassade wurde im Februar 2005 abgeschlossen. Der Raum kann jetzt sowohl für Gottesdienste, als auch für Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Vorträge und andere öffentliche Veranstaltungen genutzt werden.

Die Kosten des Ausbaus wurden von der Jüdischen Gemeinde durch Kredite und Spenden aber ohne Zuschüsse der Stadt oder durch Landesmittel aufgebracht.

Bereits im Herbst 2004 wurde in den Büros und in der Bibliothek eine Zentralheizung eingebaut, welche die alten Ölöfen abgelöst hat. Ebenso wurden im Obergeschoss Toiletten eingebaut. Neben der Bibliothek wurde dort auch ein Konferenzraum, ein Sozialraum und ein Lesezimmer eingerichtet, welches auch für den Unterricht genutzt wird.

Statistik der Jüdischen Gemeinde Emmendingen per 31.12.2009

Per 31.12.2009 betreute die Jüdische Gemeinde Emmendingen 346 Personen.

Herkunftsländer:

Russland: 115 Personen
Ukraine: 113 Personen
Deutschland: 29 Personen
Lettland 10 Personen
Aserbaidschan: 12 Personen
Israel: 12 Personen
Kasachstan: 10 Personen
Usbekistan 15 Personen
Georgien: 7 Personen
Moldawien: 5 Personen
Litauen: 4 Personen
Großbritannien: 3 Personen
Frankreich: 2 Personen
Weißrussland: 4 Personen

Davon sind:

Senioren ca 24,0 % 81 Personen
Schüler/Auszubildende ca. 15,5 % 55 Personen
Kleinkinder ca. 3,8 % 12 Personen
Studenten ca. 7,3 % 24 Personen
     
Arbeitende Personen: ca. 31,5 % 102 Personen
Teiln. Integrationskurs: ca. 2,1 % 11 Personen **
Arbeitslose Personen: ca. 15,1 % 57 Personen

** Personen, die erst zwischen 12 und 18 Monaten in Deutschland sind und nach Beendigung des obligatorischen Integrations/Sprachkurs dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen werden.


Ca. 62,7 % der erwachsenen Personen (außer den Studenten) haben eine Hochschulqualifikation, ca. 13,5 % eine Fachhochschul-Ausbildung und ca. 16 % eine kaufmännische bzw. handwerkliche Berufsqualifikation.


Im Zeitraum 2/1995 bis einschl. 12/2009 hat die Jüdische Gemeinde insgesamt 131 Wohnungen in Emmendingen und Umgebung für ihre Mitglieder vermittelt.


Unterricht in Schulen:

Unsere Schüler und Schülerinnen besuchen folgende Schularten:

Grundschule
Hauptschule
Realschule
Gymnasium
Berufsschule
11
4
9
14
17

Seit 1998 nehmen durchschnittlich 30 Senioren an den wöchentlichen Senioren-Deutschkursen in Gemeindezentrum teil.

Ein wöchentlicher Bauchtanzkurs für die weiblichen Mitglieder der Gemeinde findet im Gemeindezentrum statt.

Das Jugendzentrum „Mischpacha“ führt verschiedene regelmäßige Veranstaltungen für unsere Kinder durch.

Bibliothek:

Bibliothek Februar 2005
Bibliothek Februar 2005
Die Bibliothek der Jüdischen Gemeinde umfasst ca. 5.600 Bände, davon sind:

Judaika: ca. 1.300 Bücher
Belletristik in russisch: ca. 1.900 Bücher
Belletristik in deutsch: ca. 1.700 Bücher
Fachliteratur in deutsch: ca. 700 Bücher
(Psychologie, Philosophie, Geschichte etc.)

Die Ausleihe findet zweimal wöchentlich statt und ist für Gemeindemitglieder kostenlos.

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